Interkultur im Stadtjugendring Herrenberg

Die Welt ist bunt – Jugendverbandsarbeit auch!
Zur interkulturellen Situation der Jugendverbandsarbeit in Herrenberg

Hintergrund
Auch wenn sich die Jugendverbände und -ringe in den vergangenen Jahren vermehrt mit der interkulturellen Thematik befasst haben, sind Jugendliche mit Migrationshintergrund und Migrantenorganisationen in vielen einheimischen Jugendverbänden und in den Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit vor Ort, nach wie vor unterrepräsentiert – so auch in Herrenberg.

Dass sich Migranten zum Teil noch stark an ihrer Herkunftskultur orientieren, hat verschiedene Ursachen. Zum einen werden sie über die herkömmliche Öffentlichkeitsarbeit einheimischer Verbände kaum erreicht, weshalb sie über Angebote häufig nicht oder nur unzureichend informiert sind. Zum anderen sind es wechselseitige Unkenntnis, Skepsis gegenüber dem „Fremden“, Vorurteile und mangelnde Anerkennung, die das Aufeinanderzugehen erschweren. In den vergangenen Jahren haben sich Organisationen von Migranten jedoch über die reine Kulturpflege hinaus, zu Interessenvertretungen von Migranten in vielen Lebens- und Problemlagen entwickelt. Sie konzentrieren sich selten auf einen Aufgabenbereich und sind in zunehmendem Maße nicht nur im Bildungs-, Kultur- und Gesundheitsbereich tätig, sondern auch in der Kinder- und Jugendarbeit und in der Arbeit mit Senioren. In ihrer Gemeinschaft besitzen sie einen hohen Stellenwert, weshalb Vereine junger Migranten und die Jugendarbeit der Migrantenorganisationen für das Gemeinwesen von erheblicher Bedeutung sind.

Ziele
Ein Ziel, das der Stadtjugendring seit 2006 mit dem Bereich „Interkultur“ verfolgt, ist die Gestaltung von Strukturen in Herrenberg, um Migrantenorganisationen und Jugendliche mit Migrationshintergrund zu erreichen. Ein wesentlicher Schritt hierfür, ist die interkulturelle Öffnung der Jugendverbandsarbeit. Mit seiner niederschwelligen Satzung eröffnet der Stadtjugendring Migrantenorganisationen und Gruppierungen junger Migranten seit jeher vielfältige Partizipationsmöglichkeiten.

Mit der dauerhaften Partizipation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Migrantenorganisationen an den bestehenden Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit möchte der Stadtjugendring die Anerkennung und Akzeptanz von Migrantenorganisationen fördern und Chancengleichheit herstellen. Kulturelle Unterschiede gilt es hierbei zu berücksichtigen, nicht aber zu betonen. Mit ihren verbindenden Elementen leistet die Jugendverbandsarbeit bereits einen entscheidenden Beitrag zur Förderung und Stärkung des Gemeinschaftsgefühls junger Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.

Die eigene Herkunft und Kultur ist für die Entwicklung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund von erheblicher Bedeutung. Aus diesem Grund müssen sie Angebote ihrer eigenen ethnischen Gemeinschaft gleichermaßen nutzen können, wie Angebote einheimischer Jugendverbände. Mit Qualifizierungsangeboten und Coachings unterstützt der Stadtjugendring deshalb die Jugendarbeit in den Migrantenorganisationen. Dies ermöglicht Kooperationen auf Augenhöhe und einen Austausch zwischen jungen Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft.

Mit dem Bereich „Interkultur“ möchte der Stadtjugendring ein kooperatives Miteinander und ein vielseitiges Angebotsspektrum in der Herrenberger Kinder- und Jugendarbeit erreichen, das Akzeptanz von Unterschiedlichkeit, Dialoge und gegenseitige Unterstützung fördert, interkulturelle Lernprozesse ermöglicht und Vorurteilen, Ausgrenzung und Diskriminierung entgegenwirkt.

Ausblick
Menschen aus dem Ausland werden in Zukunft vermehrt in Deutschland arbeiten, „Deutsche“ vermehrt im Ausland. Die Geburtenzahlen der Migranten und die der Einheimischen haben zur Folge, dass in wenigen Jahren die Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland nicht deutscher, sondern ausländischer Abstammung sein wird. Folglich muss die kulturelle und religiöse Vielfalt Deutschland´s als selbstverständlich betrachtet und überall mitgedacht und mitberücksichtigt werden. Um Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft einander jedoch näher zu bringen, ist die gemeinsame Arbeit an einem gemeinsamen Ziel die beste Methode. Jugendverbände als Orte der Begegnung, an denen Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund in ihrer Freizeit gemeinsam aktiv werden können, setzen dies bereits um. Durch ihr Engagement nehmen die jungen Menschen eine aktive Rolle in der Gesellschaft ein, fühlen sich als Teil dieser und zugehörig. Besonders wichtig jedoch ist: Sie erfahren eine Wertschätzung ihres eigenen Könnens und ihrer kulturellen Herkunft!

Für Fragen steht Ihnen Projektleitung Nadja Großmann gerne zur Verfügung. Kontaktdaten unter Wir-Geschäftsstelle.