Denkwerkstatt Geschlechtergerechtigkeit und Integration – „Frau sein in Deutschland“

Veröffentlicht am: 12. Februar 2019

Wir sind für eine demokratische und offene Gesellschaft, die um Toleranz und gemeinsame Kompromisse ringt und dabei nicht stehenbleibt, sondern Themen auch gemeinsam anpackt und gestaltet! Daher konnte bei der letzten Denkwerkstatt darüber diskutiert und gestritten werden, was es bedeutet Kopftuchträgerin zu sein oder wie eine Feministin auszusehen hat.

Von der Diskussionsrunde bis zum szenischen Improvisieren hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich mit unterschiedlichen Methoden interaktiv und kreativ mit dem Thema zu beschäftigen, unabhängig von Handicaps und Sprachbarrieren. So konnten die Besucher*innen sich verkleiden, ihre Meinungen auf vorbereitete Karten schreiben und sich damit ablichten lassen. Eine kleine Foto-Ausstellung zeigte zudem künstlerische Statements von verschiedenen Frauen, die bei einer Aktion im Vorjahr zum Thema Frauen, Religion und Demokratie entstanden sind.

Die verschiedenen Hintergründe der Teilnehmer prägten den gesamten Abend. Gemeinderätinnen, Menschen mit Migrationshintergrund, muslimische Frauen und Studentinnen, um nur ein Etikett zu nennen, das diese Menschen auszeichnet, waren zusammengekommen. In eine Männer- und eine Frauengruppe aufgeteilt, beschäftigten sich die Teilnehmer sowohl mit einem Film als auch damit, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. So mussten alle einmal sowohl die zustimmende, als auch die ablehnende Seite übernehmen. Dabei wurde sehr deutlich argumentiert und diskutiert, aber anschließend auch reflektiert.

Die Frage kam auf, was die Menschen prägt bis sie zu denen werden, die sie sind. Die Teilnehmer kamen zu der Erkenntnis, dass man in einer Gesellschaft immer miteinander verbunden ist und mit Erwartungen konfrontiert wird. Schließlich stellte jemand die Frage, ob eine Frau, die sich herausputzt, dies nur wegen der Männer macht. Eine Teilnehmerin wandelte das auf Kopftuchträgerinnen ab, die sich aufgrund von sexueller Unterdrückung bedecken würden. An dieser Stelle wehrten sich die kopftuchtragenden Frauen vehement: „Ich bin hier geboren und aufgewachsen.“ Seit fünf Jahren trage sie ein Kopftuch. „Es stört mich, wenn Leute denken, das sei nicht meine Entscheidung. Warum muss ich das noch durchmachen? Das müsste doch irgendwann aufhören“.

Der gezeigte Film „Kein Mann für leichte Stunden“ handelt von einem Protagonisten, der nach einem Unfall in einer Welt aufwacht, in der die typischen Frauen- und Männerrollen vertauscht sind. Die teilnehmenden Männer äußerten sich hinterher sehr ehrlich, dass sie dadurch einen Spiegel vorgehalten bekommen haben. Sie brachten den Wunsch vor, Männer Abende zu veranstalten, in denen ihre Geschlechterrolle in der Gesellschaft hinterfragt wird. Generell wurde an diesem Abend das Interesse an einem zukünftigen, generationsübergreifenden Austausch deutlich, der die eigene Identitätsfindung unterstützen kann.

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